Spargel und Spargelstraßen

Autor: Christian H. Meyer am 21. Juli 2010 |

Die Statistiker vom Statistischen Bundesamt haben es nochmal nachgerechnet und damit ist es jetzt amtlich. Im Jahr 2010 wurden im Bundesdurchschnitt etwa 5 Tonnen Spargel je Hektar geerntet (Quelle: destatis). Die Ernte entspricht damit in etwa dem Durchschnitt der vergangenen 6 Jahre. Negativ formuliert hat es also nicht gereicht, den Rekord vom Vorjahr (2009) zu knacken. Das Positive ist allerdings, dass die Erntemenge trotz der kalten Witterung und des langen Winters erfreulicherweise noch durchschnittlich und nicht wesentlich niedriger ausgefallen ist.

Das dürfte die Spargelerzeuger in den Ländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg freuen, die im Jahr 2009 zusammen über mehr als die Hälfte der ertragsfähigen Spargelanbauflächen verfügten.

Das der Spargelanbau und die Spargelvermarktung in diesen Ländern ernst genommen wird, zeigt beispielsweise die Einrichtung von Spargelstraßen. Nachfolgend sind einige davon aufgeführt.

Spargelstraße NRW: Auf der Internetseite der Spargelstraße NRW können die Besucher etwas über die verschiedenen Anbaugebiete in Nordrhein-Westfalen und über die dort ansässigen Spargelanbauer erfahren. Darüber hinaus hält die Seite eine Reihe von Informationen rund um den Spargelanbau bereit.

Niedersächsische Spargelstraße: Auch die Internetseite der Niedersächsischen Spargelstraße informiert den Leser über verschiedene Aspekte des Spargels. Wer sich darüber hinaus informieren möchte, kann sich kostenloses Informationsmaterial über die Webseite bestellen.

Die Beelitzer Spargelstraße: Auf den Feldern Brandenburgs wächst der Beelitzer Spargel. Hier hat der Beelitzer Spargelverein seine Spargelstraße eingerichtet. Auf der Internetseite des Vereins bekommt man darüber  ausführliche Informationen. Sicherlich lohnt aber auch ein Besuch im echten Spargelmuseum in Beelitz.

Badische Spargelstraße: Nicht nur in den spargelstarken Bundesländern, sondern auch anderswo gibt es Spargelstraßen. Ein Beispiel dafür ist die Badische Spargelstraße. Hier ist das Internetangebot allerdings noch nicht sehr umfangreich. Vielleicht später einmal.

Fazit: Ein Besuch der Spargelstraßen lohnt sich bestimmt auch außerhalb der Spargelsaison. Denn dort wo Spargel wächst, wachsen auch noch andere Dinge. Vielleicht entdeckt man auf diese Weise den einen oder anderen landwirtschaftlichen Direktvermarkter und sein regionales Angebot. Viel Spaß also beim Entdecken!

Ab heute neues EU-Bio-Siegel

Autor: Christian H. Meyer am 1. Juli 2010 |

Bio-Logo 2010 (Quelle: EU)

Bio-Logo 2010 (Quelle: EU)

Die EU hat ein neues Bio-Siegel und seit heute (01. Juli 2010) ist die Verwendung des Siegels auch verbindlich. Alle verpackten Bioprodukte, die in einem EU-Mitgliedsland hergestellt wurden und die entsprechenden Normen erfüllen, müssen mit dem neuen EU-Bio-Siegel gekennzeichnet werden.

Wie bereits im Februar berichtet  hat die EU für das neue Siegel extra einen Designwettbewerb veranstaltet und die Verbraucher über das neue Logo abstimmen lassen. Als Sieger hat sich das so bezeichnete „Euro-Blatt“ durchgesetzt. Es zeigt 12 Sterne, deren Anordnung ein geschwungenes Blatt darstellt.

Da das “Euro-Blatt” europaweit einheitlich ist, soll der Bio-Markt dadurch transparenter werden. Hinter dem Siegel stehen natürlich auch Anforderungen, die mit den Regeln des Kontrollprogramms übereinstimmen müssen. Eine Anforderung ist, dass mindestens 95 % der Inhaltstoffe aus landwirtschaftlicher Herkunft biologisch produziert wurden.

Neben dem Siegel ist auf der verpackten Ware ebenfalls der Name des Erzeugers, des Verarbeiters oder des Großhändlers zu finden und darüber hinaus auch noch den Namen oder den Code der Kontrollstelle.

Und um die Angaben weiter zu vervollständigen, schreiben die neuen Kennzeichnungsvorschriften auch verbindlich vor, den Ort, an dem die landwirtschaftlichen Rohstoffe für das Produkt erzeugt wurden, zu nennen.

Mit den Kennzeichnungsvorschriften werden Qualitätskriterien und Aussagen zur Herkunft (Rückverfolgbarkeit) kommuniziert. Wenn die Kontrollen greifen, können die Verbraucher dem Zeichen vertrauen. Möge es damit seinen Zweck erfüllen.

Labore und Qualitätsdaten

Autor: Christian H. Meyer am 28. Juni 2010 |

Qualitätskommunikation hängt im Wesentlichen davon ab, ob ausreichend Qualitätsdaten zur Verfügung stehen. Das setzt allerdings voraus, dass ausreichend Daten erhoben und gespeichert werden. Die Qualitätsstandards, die in der Agrar- und Ernährungswirtschaft verbreitet sind, machen in dieser Hinsicht eine Reihe von Vorgaben mit Blick auf Erhebung, Umfang und Nachweisführung. Viele von diesen Qualitätsdaten lassen sich bereits mit geringem Aufwand in den Unternehmen messen, weil dazu oftmals schon einfache Messapparaturen und Messsysteme ausreichen.

Aber nicht alle der verlangten Qualitätsparameter lassen sich ohne weiteres in den Firmen erheben. Oftmals werden umfangreiche Analysen notwendig, die nicht von den Firmen vor Ort selbst durchgeführt werden können, weil viele Firmen einfach nicht groß genug sind, die nötige Laborausstattung dafür anzuschaffen.  Deshalb beauftragen diese Firmen externe Labore mit den entsprechenden Analysen.

Aber anscheinend leisten Labore unterschiedlich zuverlässige Dienste. Wie die QS Qualität und Sicherheit GmbH (QS) jetzt in einer Pressemitteilung mitteilt, zeigen einige Labore im QS-Kompetenztest auffällige Schwächen. Am aktuellen Labortest nahmen 75 Labore aus 10 Ländern teil. Die Testaufgabe bestand darin, Rückstände von unterschiedlichen Wirkstoffen in einer Menge Rucola-Salat fehlerfrei zu bestimmen.

Offenbar gelang dies nicht allen Laboren gleich gut. Dabei schnitten die Labore mit QS-Anerkennung in der Tendenz besser ab als Labore, die diese Anerkennung nicht haben, bzw. als die Labore, die noch im Anerkennungsverfahren sind.

Die Pressemitteilung zeigt zweierlei. Erstens, QS betreibt mit der Pressemitteilung Qualitätskommunikation in eigener Sache. Da die Labore mit QS-Anerkennung im Test deutlich besser abgeschnitten haben, kann das die Glaubwürdigkeit des Q&S-Qualitätssiegels positiv beeinflussen und den Qualitätsstandard in seiner Bedeutung stärken.

Der zweite Punkt stimmt allerdings etwas nachdenklich. Wenn wirklich nicht alle Labore fehlerfrei arbeiten, in wie weit kann man sich dann auf die gemessenen Qualitätsdaten verlassen? Durch organisatorische und fachliche Mängel in den Laboren werden Qualitätsdaten verfälscht und machen eine Qualitätsbeurteilung ungenau. Besonders bei Lebensmitteln kann diese Ungenauigkeit gesundheitsschädliche Auswirkungen haben. Und das kann weder den Verbrauchern noch den Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft recht sein.

Eine Definition von Qualitätskommunikation

Autor: Christian H. Meyer am 17. Juni 2010 |

Ein Blog über Qualitätskommunikation sollte auch eine Definition von Qualitätskommunikation anbieten. Das soll hiermit geschehen. Doch für eine geeignete Definition muss ich erst mal ausholen.

Legt man die ISO 9000:2005 zugrunde, spielen Qualitätsmerkmale und die Anforderungen daran eine große Rolle bei der Definition von Qualität. So weit, so klar. Legt man aber weiterhin zugrunde, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung nicht nur ein, zwei oder drei Qualitätsmerkmale aufweist, sondern eine Vielzahl von Merkmalen, die sich aus der Anzahl aller Anforderungen ergibt, dann wird es schon komplizierter.

Dem qualitätsbewussten Abnehmer steht für seine Kaufentscheidung in der Regel nur eine gewisse Anzahl an Qualitätsinformationen zur Verfügung. Bei der Entscheidung für eine Flasche Wein beispielsweise, genügt der Blick aufs Etikett (Informationsangebot), um zu sehen, um welche Sorte es sich handelt und woher der Wein stammt. Wenn der Wein dem erfahrenen Weintrinker bekannt ist, weiß der auch schon in etwa, wie der Wein zu Hause vor dem Kamin schmecken wird. Was der Kenner allerdings in der Regel nicht weiß, ist die Menge an Pflanzenschutzmitteln, die der Winzer im Erntejahr eingesetzt hat und ob davon noch Rückstände im Wein sind.

Natürlich sollte jeder Weintrinker erwarten dürfen, dass keine Pflanzenschutzmittelrückstände im Wein sind. Eine berechtigte Qualitätsanforderung, die einem im Supermarkt allerdings nicht sofort ins Bewusstsein rückt und daher nicht unbedingt auch geäußert wird, weil die Unbedenklichkeit eigentlich vorausgesetzt wird.

Bei der Qualitätsbeurteilung werden Informationen darüber benötigt, ob die individuellen geäußerten und nicht geäußerten Anforderungen an die Qualität auch erfüllt sind (Informationsbedarf). Falls die Rückstandsfreiheit von Pflanzenschutzmitteln im Wein doch eine bewusstes Kriterium für die Kaufentscheidung ist, kann ein potentieller Weinkäufer natürlich auf ein Qualitätssiegel achten, das ihm signalisiert: „Rückstandsfrei erzeugt!“

In vielen Fällen deckt sich allerdings der Informationsbedarf nicht mit dem Informationsangebot (s.o.). So kann es bei der Beurteilung von Qualität zu Verzerrungen kommen und tatsächliche Qualitätsmerkmale, die eigentlich den Anforderungen entsprechen und zu einer höheren Zahlungsbereitschaft führen würden, werden vom Kunden nicht wahrgenommen. Für den Verkäufer ist das ungünstig, wenn ein Kunde eigentlich bereit gewesen wäre, für ein spezielles Qualitätsmerkmal mehr zu bezahlen. Dadurch wird Umsatz verschenkt. Da aber verschiedene Kundengruppen (Anspruchsgruppen) unterschiedliche Anforderungen haben, muss die Kommunikation von Qualität auf die jeweilige Gruppe abgestimmt werden.

Aus diesen Überlegungen heraus, spielt Qualitätskommunikation für die Qualitätsbeurteilung eine besondere Rolle. Ihre Aufgabe ist es, den Informationsbedarf mit der Informationsnachfrage in Einklang zu bringen.

Deshalb kann eine Definition von Qualitätskommunikation lauten:

„Qualitätskommunikation ist die Gesamtheit aller Kommunikationsbemühungen, messbare und nicht messbare Qualitätsmerkmale im Hinblick auf geäußerte und nicht geäußerte Qualitätsanforderungen für die jeweilige Anspruchsgruppe wahrnehmbar und nachvollziehbar zu machen.“

Wie eingangs bereits gesagt, ein Blog über Qualitätskommunikation sollte auch eine Definition davon anbieten. Das ist hiermit geschehen.

Wer das ganze nochmals in wissenschaftlicher Form nachlesen will, dem sei “Qualitätskommunikation und Erfolgsfaktoren im Commodity-Marketing” (ab S. 83) empfohlen.

Weitere Beiträge aus dem Blog zum Thema Qualität:

Qualitätsmanagement, Bio-Siegel und Glück

Autor: Christian H. Meyer am 10. Juni 2010 |

Die Kosten für ein Qualitätszertifikat und die dafür notwendigen Audits sind zum Teil enorm. Die organisatorischen Anpassungen und Dokumentationspflichten hängen vom betreffenden Qualitätsstandard ab und sind ebenfalls nicht ganz unerheblich. Und dennoch, viele Unternehmen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft nehmen die Mühen und Kosten auf sich, um sich zertifizieren zu lassen.

Allerdings werden gerade die vorgeschriebenen Dokumentationspflichten nach verbreiteter Ansicht oft als zu bürokratisch und als Zusatzaufwand empfunden, der vom Markt nur in seltenen Fällen mit höheren Preisen honoriert wird. Das heißt Qualitätsstandards und Qualitätszeichen rufen hier und da bei den Verantwortlichen negative Gefühle auf den Plan. Daraus folgt im schlimmsten Fall, dass die Qualitätsvorgaben nur halbherzig in den Unternehmen umgesetzt und vor allem gelebt werden.

Trotzdem nimmt die Anzahl der Qualitätsstandards und Qualitätszeichen seit Jahren zu. Dies ist, wie es scheint, eine paradoxe Situation. Aber auf dem zweiten Blick wird einiges klarer. Qualitätszertifikate und Qualitätszeichen haben eine Signalwirkung. Sie vereinen eine ganze Reihe nachprüfbarer Qualitätskriterien unter einem Dach und machen sie dadurch nachvollziehbarer. Damit tragen sie zur Qualitätskommunikation bei.

Darüber hinaus ist es jedoch auch ganz interessant zu hören, dass Qualitätszeichen unter gewissen Umständen glücklich machen und doch zu einer höheren Zahlungsbereitschaft führen können. In einer Pressemitteilung teilt die Universität Bonn dazu mit, dass es Forschern gelungen ist, bei Probanden Gehirnreaktionen zu messen, die durch den Anblick des Bio-Siegels ausgelöst werden.

Forscher der Universitäten Bonn und Greifswald haben mit Hilfe von Hirnscans zeigen können, dass Teile des Belohnungssystems im Gehirn durch das Bio-Siegel stimuliert werden. Die gleichen Hirnareale sind auch aktiv, wenn der Mensch angenehme Erfahrungen macht. Offenbar ist die Wirkung des Bio-Siegels am stärksten bei den Versuchspersonen ausgeprägt, die auch im realen Leben Bioprodukte kaufen, d. h. bei Menschen, die den Bio-Lebensmitteln von Haus aus positiver gegenüberstehen. Im Rahmen des Experiments wurde auch die Zahlungsbereitschaft der Probanden für Bio-Lebensmittel abgefragt. Nach einer vierstündigen „Fastenkur“ war die Zahlungsbereitschaft für Lebensmittel, die mit dem Bio-Siegel gekennzeichnet waren, bis zu 45 % höher als für Lebensmittel ohne Siegel.

Ohne zu viel in die Forschungsergebnisse interpretieren zu wollen, wirft das die Frage auf, ob das betriebliche Qualitätsmanagement verbessert werden kann, wenn die Einstellung der Qualitätsbeauftragten gegenüber den Dokumentationspflichten verbessert werden kann ? Vielleicht hilft es dabei, zu wissen, dass ein Qualitätszeichen andere Menschen glücklicher machen kann und das ist doch nicht schlechtes, oder?

Happy Birthday, Blog!

Autor: Christian H. Meyer am 6. Mai 2010 |

Happy Birtday, Blog!

Happy Birtday, Blog!

Heute vor einem Jahr, am 6. Mai 2009, erblickte der oder das (?) Qualitätskommunikations-Blog das Licht des Internets. Seit dem ersten Beitrag, der die Welt noch mit einem kurzen aber fröhlichen „Hurra“ und „Hallo“ begrüßte, hat sich auf den Seiten des Blogs einiges getan.

Zugegeben, die ersten Monate waren etwas unspektakulär. Spannender wurde es erst, als „qualitaetskommunikation.de“ von den Suchmaschinen entdeckt und auf den Ergebnisseiten der Blogsuche ganz weit vorne gelistet wurde. Trotz oder gerade wegen des Nischenbegriffs „Qualitätskommunikation“ durchaus ein bescheidener Erfolg.

Zwischenzeitlich hat das Layout, sprich das Wordpress-Template, gewechselt. Die Farben „Grün“ und „Grau“ spielen aber seit jeher eine wesentliche Rolle. Besonders das „Grün“ soll symboliseren, dass eine enge Verbundenheit des Autors zur Agrar- und Ernährungswirtschaft und deren Themen besteht.

Ursprünglich sollten im Blog ausschließlich Themen zur Sprache kommen, die sich um die Kommunikation von Qualität in Lebensmittelwertschöpfungsketten drehen. Da Qualität aber nicht eindeutig definiert werden kann (vgl. Garvin und Qualität), sind auch andere qualitäts- und besonders auch marketingrelevante Themen dazu gekommen. Hierzu zählen die Artikel zur Nachhaltigkeit und den Food Miles genauso wie beispielsweise die Artikelserie über „Twitter und Agrarmarkting“.

Besonders die Beiträge über „Twitter“ haben zu Beginn des Jahres vielfältige Reaktionen hervorgerufen. Ebensolche Reaktionen gab es auch zum Beitrag über die Lebensmittelblogger und die Beschwerde, dass es nur wenige Landwirtschaftsblogs im Internet gibt. Mittlerweile können sich Autoren von Landwirtschaftsblogs jedoch bei Agrarblogs.net eintragen. Qualitaetskommunikation.de ist dort auch gelistet.

Sofern es die Zeit erlaubt, werden hier auch zukünftig Beiträge erscheinen, die sich um die Themen Landwirtschaft, Agrarmarketing, Blogs und natürlich um die Kommunikation von Qualität drehen.

In diesem Sinne: “Happy Birthday, Blog und viel Glück für das nächstes Lebensjahr!”

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